Sertig & Avers 2013

“Diesen Winter wird kein Eisjahr mehr, zu warm und zu viel Schnee…”
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Dieser und ähnliche Sprüche kursieren zur Zeit, meist von Leuten deren einzige Eiserfahrung über das heimische Gefrierfach kaum hinaus geht.
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Dass die obige Behauptung schlichtweg Mumpitz ist, konnten wir diese Woche eindrucksvoll in Davos Sertig und im Averstal feststellen. Doch mal ganz von vorne: Am Neujahrstag starteten Felix und ich mit meinem neuen Busle nach Davos. Dort übernachteten wir auf einem Wohnmobil-Stellplatz (auf dem wir übrigens den riesigsten Motherfucker von Wohnmobil gesehen haben, den man sich vorstellen kann. Etwa 10m/20t-LKW Format, kein Witz!)

Am nächsten Tag fuhren wir früh ins Sertig, erstmal die rechte Rinne wegpickeln. Superschön war´s, nicht zu schwierig und bestes Eis.

Ich führte die erste Länge. Genial schönes Eis, nicht zu schwer. Genau das Richtige, um wieder in den Fluss zu kommen.
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Für den Rest der Tour ließ ich Felix den Vortritt.
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Danach gingen wir noch zwei Seillängen der dritten Linie von links. Am nun folgenden 90°-Aufschwung mühte ich mich vor einem Jahr auch schon ab, Felix ging´s im Vorstieg auch nicht viel besser. Er strich nach einigen Metern die Segel. Man muss sich ja nicht schon am ersten Tag völlig auspowern!
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Unser erster Tag war schon mal super, nach dem Abseilen sind wir zurück zum Parkplatz, um uns im Bus schön aufzuwärmen. Kurzfristig stieß am 3. Januar noch Philipp aus Insbruck zu uns. Mir war das ganz recht, konnte ich doch mit meiner Erkältung einen Ruhetag gut gebrauchen und den Felix dann mit einem anderen Partner los schicken. Die Beiden machten amtlich Alarm in den Fällen, was ich von unten mit meinem geliebten 200mm-Tele gut dokumentieren konnte:
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Die Aktion sah auch aus der Nähe betrachtet ordentlich aus:
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Auch an der rechten Kerze konnte ich einen tapferen Bezwinger beobachten. Trotz Sturz hat er sich nach kurzer Erholungspause wacker durchgekämpft:
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Am Abend verließ uns der Philipp wieder, wir holten Sven aus Küblis ab und düsten ins Averstal. Nach einer stürmischen aber warmen Nacht im Bus sahen wir uns die Brückenfälle an. Diese befinden sich bei einer Autobrücke im spektakulär steilen Teil des Tales.
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Wir seilten uns direkt am Geländer ab und kletterten den einzigen für uns machbaren Fall direkt unter der Brücke hindurch und dann die rechte Variante.
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Mir wurde die Ehre des Vorstiegs zuteil, welche ich gern annahm. Tatsächlich konnte ich die Tour dann rotpunkten, was mich als Eis-Schisser dann doch ein bisschen stolz macht… ;-)

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Felix und Sven folgen nach und auch die zweite Seillänge, die durch weniger schwieriges, gestuftes Gelände zum grasigen Ausstieg führt, ging uns leicht von der Hand.

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Als wir wieder auf der Brücke standen, konnten wir eine schweizer Seilschaft dabei beobachten, wie sie die linke Variante kletterten. Dabei handelt es sich um einen senkrechten Fall, oben hinaus auf der rechten Seite schon etwas morsch aber ansonsten solide. Die Jungs haben die mit WI5 bewerteten 25m senkrechtes Wasser souverän weg gezogen.
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Für uns war der Tag noch nicht vorbei, wir fuhren hinunter nach Kampsut. Die Hauptfälle sahen gut aus, aber einige riesige freihängende Zapfen direkt über den Routen sahen bei dem warmen Wetter schon bedrohlich aus. Als dann auch noch ein “kleiner”, etwa 1m langer Zapfen vor unseren Augen abbrach, suchten wir das Weite in einem kleinen Mixed-Gebiet links um die Ecke.
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Wir besichtigten die diversen Drytooling-Routen. Laut Liste auf Svens Handy gab es da M8, M8+, M6 und M4. Wir suchten uns die am einfachsten scheinende Bohrhaken-Reihe aus. Nachdem Felix am ersten Bolt aufgeben musste, versuchte ich es auch. Nach einer gefühlten Ewigkeit und etlichem “Reinsitzen” hatte ich mich die 6m hoch gezittert und den Umlenker geclippt. Unsere schweizer Spezis von den Brückenfällen waren mittlerweile auch wieder da. Einer erläuterte uns die lohnenderen Mixed-Routen eine Stufe höher, die wir geflissentlich übersehen hatten. Dann eröffnete er uns, die soeben gewürgte Route wäre etwa M7 und “a bitz zittrig”. Aha. Na dann müssen wir uns ja nicht mehr schämen! :-)  Er ging die Route auch noch, zum sauberen Rotpunkt hat´s aber auch nicht gereicht. Wir schauten uns die hochgeloben kurzen Mixed-Routen im oberen Sektor noch an. Eine davon führt an einer etwa 5m hohen Eissäule hoch über eine Felsplatte und endet in einem kleinen Überhang, den man zu einer dicken Baumwurzel aufschwingen muss. Um die M5 soll sie schwer sein. Felix und Sven machten die Route im Vorstieg, ich stieg wegen akuter Erschöpfung nach. Ein kleiner Hupfer ins Seil zeigte, dass dies die richtige Entscheidung war. Die Route selbst ist super-witzig, mit Eis, Fels und Holz eben echtes “Mixed”-Gelände!
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Die folgende Nacht war wieder sehr warm, die Verhältnisse verschlechterten sich rapide. Nach einiger Sucherei in Ausser-Ferrera stiegen wir dann doch zum berühmten “Thron”. Der stand noch prächtig da und hatte auch schon einige Aspiranten.
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Dieser mächtige Fall ist 280m hoch. Nach einer ersten Stufe flacht er ab, um dann in einer 80m hohen, senkrechten Headwall zu gipfeln. Objektiv wenig gefährlich, braucht man doch echtes Können und viehische Ausdauer, um dieses Monster zu bezwingen. Beides Eigenschaften, die uns abgehen. Mangels Alternativen entschlossen wir uns, einfach mal einzusteigen und so weit zu gehen, wie wir kommen. Platz hat´s ja genug, da werden sich die “echten Eiskletterer” kaum an uns Dilettanten stören.
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Felix stieg die ersten beiden Längen vor, bis sich der Fall nach dem ersten Drittel abflachte. Dann ging Sven noch eine Länge bis zum Beginn der “Headwall” aus. Ehrfürchtig betrachteten wir die lange senkrechte Eiswand. Da es mittlerweile auch nicht mehr ganz früh war, kehren wir hier um und nahmen uns vor, dem “Thron” nochmal einen Besuch abzustatten, wenn wir mal groß und stark sind.

Ein wunderschöner Eiskletterurlaub geht zu Ende, das geliebte Busle hat seine Winter- und 3Mann-Premiere bravourös gemeistert. Danke an meine Begleiter und die netten Menschen, die wir getroffen haben!

Hier noch die komplette Bildergalerie zum Durchklicken:

Über Bene

I bin da Scheef vo dera Seitn do!
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