Hoch Ducan Nordgully

Seit ich letzten November unter diesem massiven Bollwerk von Nordwand und seiner markanten Eisschlucht vorbeigelaufen war (Hoch Ducan – Stapfetenstrasse ), ließ mich die Idee einer Begehung dieser Rinne nicht mehr los. Am Samstag, 16.3.2013 sollte es nach mehreren abgesagten Terminen endlich soweit sein…
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Zuerst versuchte ich über das Internet und den SAC-Tourenführer für dieses Gebiet herauszufinden, ob schon Begehungen dieser spektakulären Linie dokumentiert sind. Nach langer, ergebnisloser Recherche kam langsam die Hoffnung auf, dass diese Linie bisher tatsächlich übersehen worden war. Es könnte sich also um eine Erstbegehung handeln.

Das nächste Problem war, geeignete Partner für eine solche Unternehmung zu finden. Allein die Einstiegssäule sah auf meinen Fotos vom November ziemlich hart aus, im mittleren Teil sah man nur einen Eis-Vorhang, der nicht komplett durch gewachsen war, der Rest wird durch einen Felspfeiler verdeckt. Es galt also, einen starken Eiskletterer von der Idee zu überzeugen und als Vorstiegs-Sau einzuspannen ;-) . Leider hat der “Hausmeister des Rubihorns” Alban zur Zeit berufsbedingt recht wenige Zeitfenster frei. Glücklicherweise traf ich im Avers auf Jonas. Ich machte ein paar Fotos von ihm, wie er den direkten Brückenfall (Wi5) vorstieg. Durch das Mailen der Fotos hatte ich quasi schon mal “einen Fuß in der Tür”. Ich legte ihm meine finsteren Pläne dar; er war gleich von der Idee angetan und sicherte seine Teilnahme zu. Der dritte Mann im Bunde war Felix. Dieser war zuerst nicht gerade begeistert, doch nach mehreren Monaten behutsamer psychologischer Beeinflussung war er hinreichend motiviert.

Nun mussten noch die Verhältnisse passen: Es sollte kalt sein, aber nicht zu kalt. Das Wetter sollte halbwegs passen und last but not least: Die Lawinenlage musste unbedingt sicher sein, da es so aussah, als ob über der Rinne ein steilerer Schneehang wäre. Mehrere geplante Termine mussten aus diversen Gründen verschoben werden. Doch am Samstag war es nun endlich soweit: Sichere Lawinenverhältnisse, kalt, gutes Wetter.

Felix und ich holten Jonas um 7:40 Uhr in Landquart am Bahnhof ab. Dann ging es sofort ins Sertig und nach kurzer Lastverteilung (Ich hatte eine Bohrmaschine und Bolts dabei, man weiss ja nie) ging es um kurz vor 9:00 mit Tourenski ins Ducan-Tal hinein.
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Der Zustieg zog sich dann doch länger als gedacht. Aber bei so tollem Wetter und besten Tourenverhältnissen kann man das ja als Skitour mit Selbstzweck betrachten. Lediglich unsere Harscheisen vermissten wir im harten Steilhang schmerzlich…
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Es war schon fast 13:00 Uhr, als wir schließlich alle am Einstieg ankamen und aufgerödelt hatten. Der Verfasser war mal wieder der Langsamste. So stieg Jonas von Felix gesichert gleich in die erste Säule ein, die sich als Schlüsselstelle der ganzen Tour entpuppen sollte.
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Die Säule bestand eigentlich aus zwei dünnen Eisröhren, die mit Schnee aufgefüllt waren. Hier zahlte es sich schon aus, dass ich Jonas breitgequatscht hatte, mit zu kommen. Er stieg nach etwas Rumprobieren fluchend aber resolut das knifflige Stück vor, setzte einige äußerst zweifelhafte 13er-Schrauben und einen soliden Friend hinter der Säule. Dann stieg er über felsiges, mit dünnem Eis glasiertes Gelände ins Flachere und baute an einem soliden Eisschild einen Stand. Felix und ich stiegen nach und zumindest ich tat mir reichlich herb. Respekt an Jonas fürs Wegballern dieser 6m Grauen!
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Die zweite Länge stieg ich vor, es handelte sich dabei um eine etwa 15m hohe moderate Eiswand, danach führt eine schneebedeckte Rampe nach rechts unter den markanten Vorhang. Hier bezog ich Stand und die Beiden kamen hinterher.
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Der nun folgende Vorhang sah zwar nicht ganz so gruselig aus wie die Einstiegssäule, dennoch ließen Felix und ich in unser grenzenlosen, selbstlosen Generosität unserem Vorstiegstier Jonas den Vortritt. Er war schon ordentlich gepumpt und konstatierte, dass die Bouldersession am Abend zuvor eventuell doch keine so gute Idee gewesen war. Kurzum, es war kein Rotpunkt, aber wir sind alle hoch gekommen. ;-)
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Felix und ich stiegen nach, um vom dritten Stand aus einen phänomenalen Tiefblick in die Nordschlucht genießen zu können.
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Die nun folgenden zwei 60m-Seillängen in dem engen Schnee-Gully stieg Felix vor. Sie waren zwar nicht mehr schwierig, aber anstrengend und mit gutem, hartem Trittschnee sehr schön zu gehen. An immer wieder auftauchenden Eiswulsten können Schrauben gedreht werden, auch das ein oder andere Placement für Friends tat sich auf.
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Felix baute den Stand der fünften Seillänge an einem Eis-Aufschwung. Als Jonas und ich dort angekommen waren, stieg er noch ein paar Meter weiter um zu erkunden, ob sich darüber noch lohnendes Gelände befindet.
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Unser Späher meldete einen flachen Schneehang, der sich zum Gipfel hinzieht. Also erklärten wir den Stand als offizielles Routenende und richteten uns einen Abalakov zum Abseilen ein. Wenige Meter unter unserem Stand befindet sich eine gut geschützte Einbuchtung in festem Fels. Hier wollte ich das mitgebrachte Wandbuch deponieren. Da sich keine guten Risse für Schlaghaken anboten und das Mitschleppen der Bohrmaschine nicht völlig für die Katz sein sollte, setzte ich dort zwei Bolts. Diese wurden mit Reepschnur und Kettenglied zu einem  Abseilstand eingerichtet, an dem das Wandbuch befestigt wurde. Dabei handelt es sich um das einzige in der Wand belassene Material. Wir genehmigten uns einen Schluck vom obligatorischen Gipfelschnaps und deponierten den Rest ebenfalls in der Wandbuch-Büchse.
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Bei einbrechender Dunkelheit seilten wir an den bereits im Aufstieg vorbereiteten Abalakovs ab (60m, 60m, 55m, 40m).
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Der weitere Abstieg und die Abfahrt mit Ski war in unserem durchaus schon erschöpften Zustand zwar anstrengend, verlief aber weitestgehend problemlos. Nach einem Siegerbier im warmen Bus traten wir die Heimreise an.

An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank an meine Tourenpartner Felix Göbel und Jonas Spillmann, ihr wart klasse! Danke auch an Alban Glaser, der sicher gerne mit gekommen wäre und mir mit guten Ratschlägen im Vorfeld zur Seite stand sowie Pat Schwarzmann, der mir sehr kurzfristig einen seiner Behälter für´s Gipfelbuch überließ.

Facts:

- Hoch Ducan “Nord-Gully”
- Schwierigkeit stark von Verhältnissen abhängig, etwa WI5 R/M4
- Zustieg 3-4h
- Karte: Schweizer Landeskarte 1:25000 Nr. 1217, “Scalettapass”
- Topo: Hoch Ducan Nord-Gully
- Bericht von Jonas: http://www.gipfelbuch.ch/gipfelbuch/detail/id/59498

 

Bildergalerie:

Video:
kommt noch…

 

 

Über Bene

I bin da Scheef vo dera Seitn do!
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2 Antworten auf Hoch Ducan Nordgully

  1. Clemens sagt:

    Kruzefix Bene wir sind am letzten Sonntag auf dem Weg zur Stapfetenstraße noch dran vorbei und haben uns gedacht “geile Linie”. Wieso habens wir nicht gleich probiert. Grrr :-)
    Glückwunsch euch!

  2. Paul Müller sagt:

    Hallo ihr drei !!

    Grosses Kompliment für diesen Event. Ihr geht noch in die Geschichte ein !
    Gute Aufnahmen !

    Grüsse vom Zieselhof, dh. von Steibis-Schindelberg
    Moni und Paul

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